Halsband und/oder Geschirr?!

Allgemein

Vorab ein kurzer Blick auf die Anatomie des Greyhounds: Der Greyhound hat im Verhältnis zu seinem Körper einen relativ kleinen bzw. schmalen Kopf.

Der Halsumfang ist meist größer als der Kopfumfang an der breitesten Stelle. 

Beispielsweise dass der Kopfumfang über den Ohren 35,5 cm und der Halsumfang (breiteste Stelle) 36cm ist.

Hier können Sie schon das „Problem“ erkennen, es besteht die Möglichkeit, dass das Halsband über die Ohren rutscht, wenn der Greyhound an der Leine rückwärts zieht.

Ein Tipp, um das Abrutschen des Halsbandes zu verhindern, wenn der Greyhound mal den Rückwärtsgang einlegt: bringen Sie die Leinenführhand nach unten, geben Sie dabei immer etwas Leine und sehen Sie zu, dass Sie schnell wieder auf seine Höhe kommen, damit nichts passiert.

Korrekter Sitz

Brustkorb / Schultern

Sie können auch ein gut sitzendes Geschirr oder Halsband gebaucht übernehmen, der Markt ist heutzutage voll davon. Es gibt spezielle Gruppen bei Facebook, in denen gebrauchte Artikel speziell für den Windhund angeboten werden. Das Material bei gebrauchten Halsbändern und Geschirren sollte unbedingt geprüft werden und noch keine Verschleißerscheinungen oder Risse aufweisen. Das ist besonders wichtig in Bezug auf die Haltbarkeit. Der Greyhound kann große Kraft aufbringen, wenn er einem Jagdobjekt hinterher laufen möchte.

 

Achten Sie beim Kauf von Halsbändern und Geschirren auch darauf, dass die O-Ringe, an denen die Leine am Halsband/Geschirr befestigt wird,  nicht nur zusammengedrückt sind, sondern sicher verschweißt sind.  Ein „nur“ zusammengedrückter O-Ring zieht sich bei Zugkraft ggf. auseinander, was das Entlaufen des Greyhounds ermöglicht.

 

Bei der Wahl Halsband oder Geschirr ist oft auch der eigene Geschmack und die Gewohnheit ausschlaggebend. Es ist wichtig, dass der Greyhound beides kennt und daran gut zu führen ist. Das kann bei Verletzungen ausschlaggebend sein. Eine Wunde im Halsbereich kann das Tragen eines Halsbandes unmöglich machen, bzw. eine Verletzung am Brustkorb das Tragen eines Geschirrs. Kennt der Greyhound in solchen Situationen das jeweils andere Führmittel nicht, kann es unter Umständen schwierig sein, mit ihm die täglichen Gassirunden zu unternehmen. Daher die Empfehlung, gewöhnen Sie ihn in jedem Fall an beides!

Doppelte Sicherung

Sollte er einmal entlaufen, wird er unter Umständen den Heimweg nicht finden. Doppelt gesichert bedeutet:  

der Greyhound trägt ein Halsband mit Marke (Tassomarke und / oder Marke mit Namen des Hundes und Ihrer Telefonnummer)  und ein Sicherheitsgeschirr.

Je eine Leine ist am Halsband befestigt (das ist Ihre Führleine) und eine am Geschirr (das ist die Sicherungsleine).

Die Leine am Halsband haben Sie in Ihrer Hand, die Leine am Geschirr wird an Ihrem Körper mittels eines Bauchgurts oder einer um den Körper gelegten Leine befestigt.

So ist Ihr Greyhound noch gut gesichert, wenn Ihnen mal die Leine aus der Hand fällt.

 

Hier ein Exkurs zum Garten: auch im Garten, der nicht 2m hoch eingezäunt ist, einen Sichtschutz hat und völlig ausbruchsicher ist, bewegt sich ein Greyhound erst frei und ohne Leine, wenn eine ausreichende Bindung zum Menschen, zu Ihnen, zu seiner neuen Familie besteht und Sie ihn einschätzen können. Das dauert mitunter mehrere Wochen.

Schnallenhalsband

Auf dem Foto ist gut zu erkennen, wie eng ein Schnallenhalsband angelegt wird, um das „Über-den-Kopf-rutschen“ zu verhindern.  Sie sehen hier auch das Verhältnis Hals – Kopf sehr gut. Hier achten Sie bitte auch darauf, dass eine ausreichende Breite des Halsbandes gegeben ist, um nicht punktuell zu viel Druck auf den Kehlkopf auszuüben.

Zugstopphalsband

Martingale Halsband

Pflegestellengeschirr

Wenn der Greyhound neu zu Ihnen kommt, können Sie sich meistens auch erst ein Pflegestellengeschirr vom Verein ausleihen. (z.B. hier https://www.angeles-hundehilfe.de/587.html ) Das macht Sinn, wenn Sie die Maße Ihres Hundes noch nicht genau kennen und ihm daher noch kein eigenes Geschirr kaufen können. Pflegestellengeschirre sind komplett an allen Stegen und Gurten verstellbar. Daher können Sie dieses sehr gut dem Hund anpassen. Lassen Sie sich dabei vom erfahrenen Greyhoundhalter unterstützen. Fragen Sie uns hier auch gerne direkt. Unter Kontakten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Pflegestellengeschirre gewährleisten mit der richtigen Einstellung den Komfort eines Sicherheitsgeschirrs, aus dem der Hund nicht ausbrechen kann. Diese Geschirre sollten aber nur für den Übergang genutzt werden, oft bestehen sie nur aus Gurtband, welches scheuern kann und sie sind an den Schnallen und den Gurtbändern schlecht oder gar nicht unterpolstert.

Sicherheitsgeschirr/Panikgeschirr

Das Sicherheitsgeschirr besteht immer aus 2 Bauchgurten. Ein Gurt verläuft hinter den Vorderbeinen, darf jedoch nicht direkt in den Achselhöhlen des Hundes sitzen, da dies zum Scheuern in den Achseln führt. Der andere Gurt verläuft hinter der tiefsten Stelle des Brustkorbs, vor der drittletzten Rippe von hinten. Dieser Steg sollt nicht komplett hinter den Rippen sitzen, er könnte sich sonst hinter der letzten Rippe verklemmen und Ihrem Greyhound große Schmerzen bereiten. Der hintere Gurt muss so angepasst sein, dass er nicht über die Brust nach vorne rutschen kann. Das garantiert die Ausbruchsicherheit.

Einfaches Sicherheitsgeschirr

Es gibt die Sicherheitsgeschirre auch mit nur einem Bauchgurt, dieser sitzt dann, wie beim Panikgeschirr kurz vor der drittletzten Rippe.

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Ungeeignete Geschirre

Sattelgeschirr

Das Sattelgeschirr halte ich für Greyhounds für ungeeignet, ich möchte fast sagen, sie sind für keinen Hund geeignet. Bei Zug drückt der hintere Teil des Sattels auf die Wurmfortsätze der Wirbelsäule. Das kommt bei alten / kranken Hunden vor, die weniger bemuskelt sind. Bei gut bemuskelten Greyhounds liegt die Wirbelsäule zwischen den beiden Muskeln am Rücken verpackt,  Sie liegt quasi wie in einer Regenrinne (siehe Foto, das zeigt, wie die Wirbelsäule bei einem gesunden gut trainierten Hund zwischen den Muskeln liegt). Bei weniger gut bemuskelten Hunden kann das Tragen eines solchen Geschirrs sehr unangenehm und sogar gesundheitsschädlich sein. Der Greyhound wird dann versuchen, das unangenehme Gefühl mit Ent- oder Umbelastung auszugleichen. Das kann zu Verspannungen und Schädigungen im Bewegungsablauf führen. Was mich auch an diesem Geschirr stört, ist, dass es bei großer Hitze den Hund unnötig wärmt.

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Norwegergeschirr

Dieses Geschirr ist in meinen Augen für alle Hunde ungeeignet. Bei der Vorwärtsbewegung wird die Schulter durch den Riemen vorne um die Schulterblätter eingeschränkt, das führt zu Verspannungen und völlig abnormale Bewegungsabläufe, die den Hund auf Dauer schädigen. Auch ist dieses Geschirr von jedem Hund in 3 Sekunden ausgezogen, zwei Schritte rückwärts, Kopf nach unten und das Geschirr baumelt ohne Hund an der Leine.

 

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Einfaches Kurzgeschirr

Nachdem Sie bis hier gelesen haben, können Sie jetzt schon auf den folgenden Fotos erkennen: Das Geschirr sitzt zu weit in den Achseln und scheuert die Haut auf. Feinste Sandpartikel, die sich beim Spaziergang gar nicht vermeiden lassen, führen zu extremen Reibungen. Auch besteht hier das gleiche Problem wie beim Norwegergeschirr, in nur 3 Sekunden befreit sich jeder Hund aus dieser Art von Geschirren. Für mich ebenfalls für jeden Hund, egal welcher Rasse, ungeeignet.

 

 

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Zum Schluss

Hier sehen Sie einen sehr guten Film wie sich die verschiedenen Geschirre bei Hundebewegungen (konstante Geschwindigkeit) auswirken.

https://www.youtube.com/watch?v=Dc8tHqIZJC4

 

Hier wurde anhand von Zeichnungen dargestellt, wie sich die verschiedenen Möglichkeiten einen Hund zu führen, auf das Skelett auswirken können.

 

https://www.tierphysio-jost.ch/2019/10/18/halsband-versus-brustgeschirr/?fbclid=IwAR3UxWGY4yxwBqbutKMMZIbxGBF-Pk4YDQ2xJwPeZzQ1SCcDjtDx_svhM-w

 

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1144195785685064&type=3

 

 

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