Narkose - erstellt 06.07.2011
überarbeitet 09.11.2025
Das Grauen vieler Greyhoundbesitzer
Muss der Greyhound in Narkose, sei es wegen einer Operation, einer Zahnsanierung, oder weil er sich anderweitig verletzt hat und behandelt werden muss, so haben viele Greyhoundhalter erst einmal eine sehr große Angst.
Viel zu oft wird von schlimmen Vorkommnissen, was einem Greyhound während der Narkose passieren kann, berichtet.
Doch wie sieht es wirklich aus, wenn der Greyhound in Narkose muss?
In vielen Jahren Greyhoundhaltung gab es bei meinen (Michaela) Greyhounds keine einzige Situation die aufgrund einer Narkose kritisch war.
Es gibt Greyhounds, die z.B. in Vorbereitung des Rehoming Prozesses, bei der Kastration an Herzstillstand versterben.Es gibt auch Greyhounds die an maligner Hyperthermie versterben.
Generell ist jede Narkose ein Risiko und Ihr Tierarzt wird Sie über die Risiken der Narkose und der OP aufklären.
Dennoch haben wir ein paar Fakten, die Studien, Tierärzte/Tierkliniken über Narkose bei Greyhounds veröffentlicht haben. Diese dienen rein Ihrem Interesse.
Wenn Ihr Greyhound eine Operation, Zahnsanierung oder Behandlung unter Narkose benötigt, so vertrauen Sie Ihrem Tierarzt!
Malcom Jansen
Eine Übersetzung von BVSc, Wanganui Veterinary Services
Den ganzen Artikel auf englisch finden Sie hier --> ANAESTHESIA IN THE GREYHOUND
Die physiologische und anatomische Anpassung der Greyhounds durch die selektive Zucht nach Geschwindigkeit hat einen Einfluss auf die Reaktion der Narkosemittel
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- Sie sind nervöser als die meisten anderen Rassen, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für stressbedingte Hyperthermie und möglicherweise auch für maligne Hyperthermie führt.
- Ihr geringes Verhältnis von Fett zu Muskelmasse und ihr hohes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen machen sie anfällig für Hypothermie während der Narkose.
- Ihr reduzierter Leberstoffwechsel führt zu einer langsamen oder unvollständigen Erholung von einigen Narkosemitteln und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
- Ihre einzigartige klinische Pathologie, insbesondere ein hoher Hämatokritwert und ein niedriger Gesamtproteinwert, beeinflusst die Plasmakonzentrationen bestimmter Medikamente.
- Bei der Anwendung bestimmter Narkosemittel besteht möglicherweise eine Prädisposition für maligne Hyperthermie.
maligne Hyperthermie
Die maligne Hyperthermie (MH) ist ein potenziell lebensbedrohliches Syndrom, das bei bestimmten genetisch prädisponierten Personen nach Exposition gegenüber bestimmten Anästhetika, depolarisierenden Muskelrelaxanzien, Stress und Überanstrengung auftritt. Sie beruht auf einer spezifischen Genmutation im sarkoplasmatischen Retikulum (dem Ryanodin-Rezeptor RYR1), die zu abnorm hohen Kalziumkonzentrationen in den Muskelzellen führt und die klinischen Symptome sowie die Laborwertveränderungen verursacht. Im Allgemeinen ist MH eine seltene Komplikation der Anästhesie bei Hunden, und Greyhounds scheinen – außer unter bestimmten Bedingungen – nicht anfälliger zu sein als andere Rassen.
Thiobarbiturate bei Greyhounds
Greyhounds reagieren anders auf Barbiturate als andere Hunderassen, da ihre Aktivität bestimmter Cytochrom-P450-Enzyme in der Leber, die für den Abbau von Barbituraten unerlässlich sind, reduziert ist. Nach intravenöser Injektion von Thiopental hängt die Beendigung der anästhetischen Wirkung von der Umverteilung des Wirkstoffs in Muskeln, Fettgewebe und Leber ab. Bei geringem Körperfettanteil und reduzierter Leberenzymaktivität verlängert sich die Zeit für den Abbau. Da Thiopental zudem stark proteingebunden ist, stehen höhere Konzentrationen des freien Wirkstoffs zur Verfügung, der seine anästhetische Wirkung entfalten kann. Auch stärker proteingebundene Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika können Thiobarbiturate von ihren Bindungsstellen verdrängen und so die Plasmakonzentration und damit die anästhetische Wirkung erhöhen. Aufgrund dieser Nebenwirkungen wird von der Anwendung bei Greyhounds dringend abgeraten.
PROPOFOL BEI GREYHOUNDS
Propofol ist eines der am häufigsten verwendeten Narkoseeinleitungsmittel bei Greyhounds und wird 10-20-mal schneller eliminiert als Thiopental. Greyhounds reagieren jedoch anders auf Propofol als andere Rassen. Die Beendigung der Narkose ist primär auf den schnellen Abbau in der Leber, insbesondere durch Cytochrom-P450-Enzyme, zurückzuführen. Die Aktivität dieser Enzyme ist bei Greyhounds dreimal geringer als bei anderen Rassen. Daher benötigen Greyhounds 2-3-mal länger zur Erholung und scheiden Propofol nur halb so schnell aus wie andere Rassen. Es gilt weiterhin als sicheres und zuverlässiges Narkoseeinleitungsmittel bei Greyhounds, insbesondere für Kaiserschnitte.
ALFAXALON BEI WINDHUNDEN
Alfaxalon ist ein neuroaktives Steroid, das auf die GABA-Rezeptoren im Gehirn wirkt. Es hat eine hohe Sicherheitsspanne, eine schnelle Erholung, eine vernachlässigbare Atemdepression selbst bei der fünffachen Normaldosis, eine gute Muskelrelaxation und ist nicht reizend, falls es versehentlich außerhalb der Vene injiziert wird.
DIAZEPAM-KETAMIN-KOMBINATIONEN
Diese Kombination bewirkt eine Muskelrelaxation und reduziert die kardiogenen Effekte von Ketamin, wodurch sie sich sowohl für geriatrische als auch für kardiologische Patienten eignet. Sie sollte immer in Kombination mit einer geeigneten Prämedikation, z. B. Acepromazin/Butorphanol, angewendet werden. Sie kann eine verlängerte Apnoe vor dem Einsetzen der Spontanatmung verursachen, was für Erstanwender beunruhigend sein kann. Insgesamt handelt es sich jedoch um eine sehr sichere Kombination und ist das bevorzugte Einleitungsmittel des Autors für Routineoperationen.
Aufrechterhaltung der Narkose
Die Narkose kann entweder durch Inhalations- oder Injektionsanästhetika aufrechterhalten werden. Die Erholung von einer Gasnarkose erfolgt hauptsächlich über die Lunge und weniger durch Metabolisierung in der Leber. Daher sind Inhalationsanästhetika bei Greyhounds die bevorzugte Option. Die verschiedenen Inhalationsanästhetika werden in unterschiedlichem Maße in der Leber metabolisiert, wobei Halothan am stärksten (20–40 %), Sevofluran weniger (2–4 %) und Isofluran am wenigsten (0,2 %) metabolisiert werden. Halothan kann zudem eine maligne Hyperthermie bei Greyhounds verstärken, weshalb seine Anwendung bei dieser Rasse zunehmend nicht empfohlen wird. Eine intravenöse Aufrechterhaltung kann erfolgen, wenn eine Gasnarkose nicht möglich ist, beispielsweise bei Bronchoskopie, Atemwegsuntersuchung und Atemwegsoperationen. Propofol, Alfaxalon oder Ketamin-Diazepam können auf diese Weise eingesetzt werden, wobei Alfaxalon die kürzeste Erholungszeit ermöglicht.
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Suzanne Stack, DVM
Wir befinden uns nun in einem Zeitalter, in welchem beinahe jeder Tierarzt Isofluran-Gas hat (manche benutzen sogar Sevofluran), und die gefürchtete Barbiturat-Einleitung (Surital, BioTal, Pentothal) wurde so gut wie überall durch Ketamin/Valium oder alternative Injektionsmittel ersetzt.
Neue Anästhetika sind eingeführt worden - vor allem Propofol, das schnell abgebaut wird und ein Glücksfall für geschwächte Patienten ist.
Injektionsmittel wie Torbugesic sowie Telazol sind in die täglichen Anästhesie-Protokolle integriert worden.
Die Einführung von Yobine (in Deutschland Yohimbin), welches die Wirkung von Rompun (Xylazin, ein Muskelrelaxans und Betäubungsmittel) aufhebt, hat dessen Anwendung bei kurzen Eingriffen viel sicherer gemacht.
Gleichermaßen wird die Wirkung des neuen Domitor (Medetomidin) durch Antisedan (Atipamezol) aufgehoben.
Die meisten Anästhesie-Protokolle integrieren typischerweise 2 bis 4 dieser Narkotika.
Zusätzlich wird häufig Atropin angewandt, um übermäßigen Speichelfluss zu verhindern und die Herzfrequenz aufrecht zu erhalten.
Ihr Tierarzt könnte 4 - 5 unterschiedliche Kombinationen haben, die er routinemäßig anwendet.
Er wird beispielsweise für gesunde Hunde sein meist verwendetes Standardmittel haben, sehr wahrscheinlich das gleiche, das er für Ihren Greyhound benutzt.
Zusätzlich vielleicht eines für Epileptiker, eines für aggressive Typen, eines für geschwächte Patienten und dann sogar noch eines für kurze Eingriffe.
Welches soll man benutzen? Ich habe mehrere sehr unterschiedliche "Anästhesie-Protokolle für Greyhounds" gesehen.
Das am häufigste benutzte scheint eine Prämedikation aus Acepromazin/Atropin zu sein, gefolgt von einer Ketamin/Valium-Narkoseeinleitung und Isofluran-Gas, genauso wie für die allgemeine Hundepopulation.
In unserer Klinik geben wir einem Greyhound niemals mehr als 1 mg Acepromazin.
Vor mehreren Jahren wäre es leicht gewesen, mit dem Protokoll in der Hand durch die Tür des Tierarztes zu gehen.
Heute mag er etwas besseres für diesen Eingriff haben.
Vielleicht ist es ein kurzer Eingriff, und er kommt damit über die Runden, Ihren Greyhound kurz mit Propofol oder einer der neuen reversiblen Kombinationen "auszuschalten".
Vielleicht hat er einfach Horrorgeschichten über die Anästhesie von Greyhounds gehört und zieht es vor, mit Propofol/Isofluran "auf Nummer sicher zu gehen".
Aber auch Propofol hat wie alles andere seine Kehrseiten.
Gelegentlich setzt bei einem Hund während der Einleitung abrupt die Atmung aus - kein Grund zur Sorge; so lange man aufpasst, kann dies sofort korrigiert werden.
Manchmal schlafen Hunde einfach mit Propofol nicht fest genug, und der Eingriff dauert doppelt so lange wie geplant.
Einige Tierärzte ziehen Altbewährtes vor und legen Propofol für besondere Fälle zurück.
Oft ist das sicherste Anästhesie-Protokoll jenes, mit welchem Ihr Tierarzt die meiste Erfahrung hat.
Es ist meines Erachtens entscheidend, zu einem Tierarzt zu gehen, der viele Greyhounds (oder zumindest einige) in Narkose gelegt hat.
Da der Greyhound erfahrungsgemäß bei Anästhesien empfindlich ist, fühlen sich einige von uns mit dem wohler, was schon immer funktioniert hat.
Falls Ihr Tierarzt Greyhounds seit Jahren mit Halothan oder Metofane anästhesiert und dies Isofluran vorzieht, würde ich mir keine Gedanken machen.
Oft verlassen sich Tierärzte, die diese Gase benutzen, sehr auf das injizierbare Einleitungsmittel und benutzen womöglich nur geringfügige Mengen an Gas.
Erwähnenswert ist das Anästhesie-Monitoring.
Die Dinger sind nett - es gibt viele davon.
EKG und Pulsoxymetrie (Blutsauerstoffmessung) werden am häufigsten verwendet.
Jedoch sollten diese vorzugsweise zusätzlich zu einem echten Anästhesisten, der den Hund überwacht, zum Einsatz kommen - nicht anstelle.
Bei manchen Windhunden gibt es Enzymdefekte, die den Abbau von best. Arzneimitteln verzögern, und damit deren Wirkung verlängern. Schlimme Folgen hatte dies bei frühheren Narkosen (in grauer Vorzeit!) da wurde für Narkose auch Barbiturate eingesetzt. Allerdings gibt es heute eine sehr große Auswahl an Narkosemitteln, und auf Barbiturate kann verzichtet werden.
Ich selber kenne absolut niemand, der noch damit arbeitet, weil auch die therapeutische Breite bei anderen Tierarten zu gering ist. Es gibt wie in der Humanmedizin die Methode der Inhalationsnarkose mit Isofluran und Sevofluran. Selbst der Vorgänger Halothan gilt nicht als GVP (GoodVetPractice), außerdem arbeiten viele TÄ auch mit TIVA, d.h. mit totaler intravenöser Anästhesie im Dauertropf, was genau so gut steuerbar ist und bei Bedarf sofort beendet werden kann.
Ich persönlich bevorzuge allerdings die Inhalationsmethode, weil die Tiere von der zusätzlichen Sauerstoffzufuhr in der Narkose profitieren. Wegen der Enzymdefekte ist es sinnvoll sich beim Windhund auch im Bezug auf andere Medikamente (Antiparasitika, Schmerzmittel etc.) nach der Verträglichkeit bei Katzen zu orientieren, diese haben (u.a. auch) in diese Hinsicht ähnliche Arzneimittelunverträglichkeiten...
Tierärztin Dr.Hoffmann-Füßer